Thema: 51. Legislaturperiode (HerbertP)Neuer Beitrag
Von: @Info 11.11.2017 18:14 Uhr
HerbertP amtierte von März bis Juli 2016 als 51. Internetkanzler.

Im Kanzleramt wurden in dieser Zeit 16 Mitteilungen veröffentlicht.


Was ich noch zu sagen hätte
08.07.2016

Liebe DOLer,

als 51. Internetkanzler DOLs durfte ich in den letzten Wochen und Monaten die Geschicke dieser Plattform ein wenig intensiver mitgestalten, als das dem "normalen" DOLer möglich ist.

Herzlichen Dank an alle, die mich im Amt unterstützt haben, die mich kritisiert und mit mir diskutiert haben oder einfach mal dagegenhielten. Es ist eine tolle Erfahrung, die ich mit dieser Zeit verbinde und ich bin stolz darauf, dies erlebt haben zu dürfen.

In meine Amtszeit fallen 13 politische Statements, meist montags, zu aktuellen Themen der jeweils zurückliegenden Woche - sei es Brexit, Böhmermanns Schmähgedicht oder die christliche Osterbotschaft.

Das Politische Duell einzelner DOLer wurde dank Programmiereinsatz von rMs auf den Weg gebracht - eine erste Liga ist absolviert. Ich finde das Instrument ein schönes ergänzendes Spielelement.

Von größeren Dramen blieb DOL in meiner Amtszeit verschont, wenngleich der Start wie auch die Wahlphase zum Ende beidemale von emotional ausgelösten Löschungsaktionen aktiver DOLer begleitet war. Meine Kanzlerschaft sollte ausgleichend und unaufgeregt verlaufen. Mein Ziel war es, wenn Druck auf dem Kessel war, diesen durch ausgewogene Reaktion abzulassen. Es ist mir in einigen Fällen gelungen.

Ich möchte daher abschließend zum Nachdenken anregen: DOL ist ein Spiel, ein sehr realitätsnahes Spiel, das davon lebt, dass konträre Meinungen aufeinandertreffen. Deshalb mag ich diese Plattform noch immer und schaue regelmäßig vorbei.

Lasst uns diese in den meisten Teilen DOLs etablierte Kultur des Meinungsaustauschs pflegen. Sie ist geprägt von Respekt dem anderen Gegenüber, von der Fähigkeit, bessere Argumente gegenüber sich selbst zu akzeptieren. Und gerade wenn es dazukommt, dass die Gegenseite dem eigenen, besseren Argument gegenüber nicht aufgeschlossen ist, zeigt sich die wahre Größe eines Diskutanten, sich zurückzunehmen und eine Situation zu deeskalieren.

Kein Streit in der Sache ist es wert, Menschen im Dialog so zu attackieren, dass sie emotional getroffen werden und es zu Verletzungen kommt. Das ist nicht das DOL, das sind nicht die DOLer, die diese Plattform nach außen hin zeigen sollte. Es wäre auf Dauer auch nicht mein DOL.

Meinem Nachfolger wünsche ich Geschick und Erfolg sowie eine gute Amtszeit als 52. Internetkanzler. Nach Abgabe der Kanzlerrechte verbleibe ich in der Funktion eines Moderators. Bis bald in der nächsten Diskussion.

Euer
HerbertP


Wind of change
24.06.2016

Der Paukenschlag am Morgen des 24. Juni 2016 - die Mehrheit der Briten hat sich für den Ausstieg aus der EU entschieden. Wirtschaftlich wird es einen "schwarzen Freitag" an den Börsen geben, die britische Währung verliert dramatisch an Wert. S&P hat das AAA-Rating kassiert.

Poitisch aber werden die nächsten Tage und Wochen brisant. Zunächst für Europa: Es wird eine Kettenreaktion geben in einigen Ländern, die Folge-Referenden anstreben werden, um den Bürgern "eine Wahl" zu geben. In den britischen Analysen stellt sich heraus, dass insbesondere alte, unterpriviligierte und bildungsferne Menschen das britische Ergebnis bestimmt haben. Anders als in anderen Entscheidungen haben es die BREXIT-Befürworter geschafft, dieser Gruppe zu vermitteln, dass sie eine Wahl haben. Und zwar gegen das Establishment. Die Mehrheit der bildungsnahen und jungen Menschen hat sich für Europa ausgesprochen. Man denke darüber nach, wie eine solche Entwicklung in Frankreich, vielleicht aber sogar in Deutschland wirken würde.

Das politische Königreich ist definitiv nicht mehr vereint. Schotten und Nord-Iren waren mehrheitlich für Europa. Es ist damit zu rechnen, dass beide Länder Referenden einbringen werden, um sich von England ab- und wieder der EU zuzuwenden. Die Vereinigungsfrage der Nordiren mit dem EU-Vollmitglied Irland rückt in den Mittelpunkt. Ich bin sehr gespannt, ob und wie Queen Elizabeth sich verhalten wird. Sie wird eine Position beziehen müssen.

Das Vorum für den BREXIT ist für mich eine Chance. Hoffentlich verstehen sowohl die Europäer wie auch die treibenden Landesregierungen endlich, dass ein Loslösen der Politik vom Volk ein Irrweg ist und den Extremisten Tor und Tür öffnet. Politik muss wieder die Politik des kleinen Mannes werden. Die schwachen, wenig gebildeten und unterpriviligierten Menschen brauchen die Unterstützung der Politik mehr, als Konzerne und die oberen Zehntausend.

Politiker sind das Bindeglied der Gesellschaft. Das war das Selbstverständnis politischer Größen wie Willy Brandt, Helmut Kohl, Helmut Schmidt, Walter Scheel, Richard von Weizsäcker, Franz-Josef Strauss, Herbert Wehner und vielen anderen. Unsere Politiker in Deutschland und in Europa sind aufgefordert, sich von den Meinungsumfrage-trends zu lösen und endlich wieder diejenigen ins Blickfeld zu nehmen, die sie vertreten.

Insofern werte ich den BREXIT positiv. Er hat die Kraft, die politischen Kräfte in Europa positiv wachzurütteln. Hier liegt der Auftrag. Scheitern unsere Volksvertreter damit, wird die Europäische Gemeinschaft sich auflösen.

HerbertP


Der Nachbar hält das Tor sauber
13.06.2016

Ob Herr Gauland am Sonntag Abend wohl das Länderspiel angeschaut hat? Üblicherweise locken Länderspiele in Turnieren auch noch den letzten unsportlichen Deutschen hinter dem Ofen hervor, sei es auch nur, um sich im Sozialgefüge den Anlaß nutzend zu tummeln.

Ich denke, Herr Gauland wird inzwischen wissen, bei wem es sich um Jerome Boateng handelt. Der Abwehrspieler der Mannschaft hat ein Tor zugunsten der Ukraine mit einer artistischen Meisterleistung verhindert. Khedira, auch so ein Nachbar, war im Mittelfeld mit Kroos kreative Stütze des Aufbauspiels.

Vermutlich wird aber die AfD sich eher darauf stürzen, dass der pilgernde Mezut Özil die Hymne nicht mitgesungen hat. Liebe AfD, so handelt er seit Beginn der Nationalmannschaftskarriere im Jahr 2008 seit 74 Länderspielen. Insofern also auch konsequenterweise auch gestern nicht. Nur, um hier das Ölkännchen aus Euren Händen zu entfernen, mit dem sich sonst leicht zündeln ließe.

Insgesamt aber sind die Bilder der ersten EM-Tage in Frankreich gemischt zu sehen. Die dreitägigen Krawalle in Marseille sind nach neuesten Erkenntnissen insbesondere von einer Gruppe von 150 Russen ausgegangen, die präzise und gut vorbereitet agiert hätten, so die Polizei. Der angedrohte Turnier-Ausschluß Englands und Rußlands im Wiederholungsfall geht allerdings am Ziel vorbei. Für diese Gruppe von Menschen zählt der Fußball sowieso nicht. Sie prügeln mit oder ohne Teams im Wettbewerb.

Und irgendwie schwingt für mich bei allen Live-Berichten aus Frankreich das ungute Gefühl mit, dass die Kameras hoffentlich nicht Zeuge eines Attentats werden. Ich denke auch, eine gewisse gedämpfte Stimmung bei den Zuschauern auszumachen. Vielleicht kommt das aber auch daher, dass ich am 13.11.2015 nur drei Blöcke vom Bataclan zu Abend gegessen habe, als die Anschläge stattfanden. Das beeindruckt noch immer. Hoffen wir also das Beste für den gesamten Turnierverlauf.

HerbertP


Großes Halali
06.06.2016

Bundespräsident Gauck hat offiziell mitgeteilt, dass er nach Ablauf seiner derzeitigen Amtszeit nicht für eine zweite Amtsperiode zur Verfügung steht.

Über das Wochenende hatte sich die Nachrichtenlage in dieser Hinsicht schon konkretisiert, dennoch haben sich immerhin doch fast alle „üblichen Verdächtigen“ zurückgehalten, das berühmte Fell des Bären schon zu zerlegen, bevor das Tier überhaupt zum Abschuß freigebeben ist.

Ja – es wird eine Jagd werden und vermutlich eher eine Hetzjagd. Im Stile einer Treibjagd werden sich allerlei Helfer nun bereitwillig im Wald aufketten und mit allerlei Getöse das Tier zum Waldrand leiten, wo die Jäger zum Schuß bereitstehen. Ein widerlicher Gedanke angesichts der Tatsache, dass der Bundespräsident neben den Funktionen Kanzler und Bundestagspräsident das dritte wichtige Organ der Exekutive darstellt.

Und es geht schon los: Es soll einen rot-rot-grünen Kandidaten geben. Und CDUler betonen, dass sich die Kandidatenkür ja nun zu einer große Zusammenhaltsbekundungsaktion der amtierenden Regierung ausgestalten ließe.

Liebe Politiker, was habt ihr denn an der derzeitigen Politikverdrossenheit Eurer Bürger nicht verstanden, dass reflexartig die alten Muster hervorgekramt werden? Die Kür des neuen Bundespräsidenten wäre eine großartige Chance, sich bürgernah und Ergebnis-orientiert zu präsentieren. Doch auch hier wird unsere Politikergeneration parteiübergreifend wieder versagen – gelähmt und tief versunken im verranzten Plüschsessel der eigenen Wandlungsunfähigkeit.

Alle Verdrossenheits-Surfer in AfD und anderen Gruppierungen spitzen schon die Bleistifte, um das nun startende Postengeschacher für weitere Punktgewinne zu nutzen. Und sie werden weitere Erfolge erzielen.

Lasst uns eine Persönlichkeit suchen, die das Amt aus Überzeugung führt und damit unser Land würdevoll repräsentiert. Aus Leidenschaft und mit Charakter – und nicht, weil die Mehrheit der Bundesversammlung im Vorfeld organisiert wurde.

HerbertP


Draussen ist Wetter
30.05.2016

Das Klima ändert sich. Wer die Bilder vom Wochenende anschaut, kommt an diesem augenscheinlichen Ergebnis nicht vorbei. Das Wetter in Deutschland ist extremer geworden. Tornado-Bildung, sintflutartige Regenfälle in ungekanntem Ausmaß, Hagelunwetter in Taubenei-Größe. Die Landwirtschaft und private Haushalte werden gleichermaßen in ihren Existenzgrundlagen eingeschränkt.

Stell Dir vor, in Bonn findet eine 10-tägige Klimakonferenz statt und keiner bemerkt es. So geschehen vom 16. Bis 26. Mai 2016. Es war Vorbereitungskonferenz für die nächste große Weltklimakonferenz in Mexiko im Dezember - die Fortsetzung der Pariser Konferenz aus 2015, als sich große Nationen zu Klimazielen bekannten und sich dafür medienwirksam ablichten ließen. Nach Bonn fanden 195 Staaten den Weg, um weiterzudenken.

Halten wir uns vor Augen, dass sich die Weltgemeinschaft vorgenommen hat, die Erwärmung der Erde bis ins Jahr 2100 auf 2,0 Grad Celsius einzudämmen. Besser sei die Reduzierung des Anstiegs um nur 1,5 Grad, wenn es sich irgendwie machen läßt.

Glaubt man den einschlägigen Berichten der Tagespresse zu den wissenschaftlichen Aussagen der Klimaexperten, dann werden die Kohlendioxid-Emissionen in den kommenden 10 Jahren eine Menge erreichen, die die 1,5 Grad-Grenze bereits reißen lassen wird. Selbst der Normalbürger stellt fest: „Das klappt nicht“.

Wie auch? Die Welt ist in einem Dilemma. Wollen wir langfristig Flüchtlingsströme zum Erliegen bringen, dann braucht es die wirtschaftliche Aufrüstung der Herkunftsländer. Wo aber stehen die modernen Fabriken, die Klimaschutzziele erfüllen lassen, weil nachhaltig geplant und bewirtschaftet? In Nordafrika? In Schwarzafrika? In Indien oder Pakistan? Der Protektionismus der eigenen Wirtschaftsmacht ist der größte Klimakiller unserer Zeit.

Und hier schließt sich angesichts von Kriegen, Religionsauseinandersetzungen und wirtschaftlicher Ungleichgewichte der Kreis zu den national-orientierten Politiktendenzen. Am Ende ist der eigene Garten doch das, was mit Zaun und Harke verteidigt wird. Doch schon Brahms mahnt uns im Deutschen Requiem mit den Worten von Petrus (1. Petrus 1:24): „Denn alles Fleisch ist wie Gras und alle Herrlichkeit der Menschen wie des Grases Blume. Das Gras ist verdorrt und die Blume abgefallen…“.

Draussen ist Wetter.

HerbertP


Ganz schön was los, oder?
23.05.2016

Österreichs Stichwahl hat die Bürger aufgeweckt. Weit über 70% Wahlbeteiligung zeigen, dass Politik doch noch etwas ist, was jeden einzelnen angeht. Das Ergebnis spiegelt wieder, wie sehr das Land mit dieser Richtungsentscheidung aufgewühlt wurde. Die 900.000 Briefwählerstimmen werden den Aussschlag geben, wer abschließend mit vielleicht wenigen hundert Stimmen das Rennen machen wird.

Für Deutschland´s Politiker eignet sich die Entwicklung in Österreich als kostenfreier Anschauungsunterricht. Prompt röhrt das Münchner Alphatierchen auch wieder in die Mikrofone. Nicht gut gebrüllt, Löwe! Denn was den Menschen heutzutage fehlt, sind die Lösungen. Das Lamentieren über Sachverhalte haben die Leute satt. In dieses Handlungsvakuum hinein suggerieren Hofer, wie auch die AfD, Handlungswillen und grade Kanten. Das kommt an und führt zur Abwahl des Establishments. Herr Seehofer, Sie entwickeln sich zur lahmen Ente.

Aber sind wir ehrlich – es bleibt Jammern auf hohem Niveau angesichts der Entwicklungen in der Türkei. Präsident Erdogan hat mit Herrn Yildirim nun eine weitere Schlüsselposition linientreu besetzt. Die erste Ankündigung des Ministerpräsidenten ist die Änderung der Verfassung. Mit dem Aufheben der Immunität einer Vielzahl von –meist unliebsamen- Parlamentsmitgliedern wird Herrn Erdogan der Weg geebnet, mit einem Präsidialsystem weitgehende Entscheidungsbefugnisse auf sich zu vereinen. Andere Worte für diese Entwicklung wagen nur wenige Politiker offen auszusprechen. Der Partner am Bosporus scheint für die Entwicklung in Europa zu wichtig. Bleibt also abzuwarten, was Frau Merkel heute in Istanbul besprechen wird.

Ganz schön was los in Europa – leider nicht in DOL. Wir sind unter 100 Mitglieder gesackt. Die Anzahl von Umfragen und Meinungen hängen am Tropf weniger Aktiver. Und die persönlichen Animositäten in den Dialogen tendieren zur Wiederholungslangeweile. Gestern saß ich beim Spaziergang an einem Bachlauf im Wald. Sanft schlängelte sich das Wasser durch das sanfte, steingesäumte Gefälle des Bettes. Erinnerte irgendwie an DOL, denn wenn es im Sommer nicht regnet, trocknet das Bächlein regelmäßig aus.

HerbertP


Geht er, oder geht er nicht – was geht? Und kommt?
09.05.2016

Dass Helmut Markwort nicht nur wörtlich Gewicht hat, hat man am Wochenende wohl gemerkt. Der Focus-Herausgeber gab den Vorausschauenden in Sachen Rücktritt Sigmar Gabriels. Und ließ prompt ein Dementi folgen, er sei mißverstanden worden. Markwort ist zu intelligent, als dass ihm da ein Hopperle entglitten ist. Was also soll das?

Die SPD ist in einem erbärmlichen Zustand. Im Zangengriff der linksgeschwenkten Merkel-CDU, der kernsozalistischen LINKEn und den ökosozialen Grünen fehlt ihr das Alleinstellungsmerkmal, das sie zu einer interessanten Volksvertreterin entwickeln würde. Selbst in der AfD-Abgrenzung versagt sie. Das alles erinnert ein wenig an den inhaltlichen Niedergang der FDP.

Gelähmt wie ein Angst-Kaninchen vor der Niedergangs-Schlange verkündet Gabriel statt einer Aktivität eine weitere Passivität durch Verschieben der Kanzlerfrage auf einen Termin nach der NRW-Landtagswahl. Mir scheint das die irreale Hoffnung, dass Hannelore Kraft die SPD im Stammland vor einer weiteren Blamage bewahren wird. In dem heutigen Zustand wird die SPD NRW krachend verlieren, wenn die CDU es schafft, einen halbwegs charismatischen Kandidaten ins Rennen zu schicken.

Dann geht Gabriel! Doch was soll dann gehen? Wer soll denn kommen? Kraft selbst hat eine Kanzlerkandidatur konsequent abgelehnt. Olaf Scholz hat eine schwache Vergangenheit hinter sich, die er derzeit mit einer guten Performance in Hamburg vergessen macht. Aber kann Olaf Scholz die ganz große Nummer? Wohl kaum. Heiko Maas? Andrea Nahles? Thomas Oppermann?

Der einzig logische Kandidat wäre Frank-Walter Steinmeier, der heutige Außenminister. Ein weltweit geachteter Diplomat. Ein Mensch mit Format, fähig, Menschen für seine Sache zu begeistern. Aber auch der hat schon dankend abgelehnt. Warum eigentlich? Er kommt also nicht.

Aber Leipzig kommt – zumindest in die erste Bundesliga. Und Dresden und Aue auch, aus der dritten in die zweite Bundesliga. Wo Hannover hingeht, die Heimatstadt von Schröder – die auch nur 90km entfernt liegt von Goslar, wo Gabriel herkommt. Egal, ob er geht.

HerbertP


Für das Dagegen - Gegen das Dafür!
02.05.2016

„Denn was man schwarz auf weiß besitzt, kann man getrost nach Hause tragen“ – da haben wir es also nun schriftlich, das Grundsatzprogramm der AfD. Was wohl Johann Wolfgang von Goethe zu einem solchen Schriftstück gesagt hätte? Der europäischste Deutsche seiner Zeit wäre wohl als Erstes in der Lage gewesen, dieses Gesamtwerk einer kritischen Prüfung zu unterziehen.

Mangels Goethe müssen wir uns nun alle selbst ein Bild darauf reimen, was die AfD im Schilde führt. Um es mit den Worten von Ludwig Uhland zu interpretieren: „Denn was er sinnt ist Schrecken, und was er blickt, ist Wut“. Ich selbst habe es noch nicht vollständig gelesen. Aber die Quintessenz, die sich für mich aus den Zeilen ergibt, ist einfach verständlich.

Die AfD ist dagegen. Sie ist gegen den Islam. Sie wendet sich gegen Europa und die gemeinsame Währung. Sie ist pauschal gegen alles, was derzeit die zurecht geäußerte Kritik am eingemufften politischen Establishment in dieser Republik widerspiegelt. Das ist das einzig Gute, das ich dem Programm entnehme. Es rüttelt wach. Es rüttelt an den Festen der bisherigen Strukturen.

Das ist gut so. Das hat seine Berechtigung. Aber bei allem Respekt, es ist keine Grundlage für ein Mandat einer großer Zahl der Bürger, die sich nach höherer Repräsentierung durch die Volksvertreter sehnen. Eine Mehrheit ist unzufrieden mit dem heutigen Politikstil. Doch nur eine Minderheit setzt dies konkret in Wählerverhalten um und wählt den Protest in Form der AfD. Und das erscheint mir richtig.

Ich bin Gegen das Dafür – Protest alleine ist keine Zukunftsvision. Und hier liegt die große Schwäche des AfD-Programms, weshalb die Partei für mich nicht wählbar ist. Sie läßt in großen Teilen offen, was sie aus den sich abzeichnenden Mandaten und Vertretungsaufträgen in Zukunft entwickeln will. Opposition ist korrektiv in unserem System. Protest aber macht noch lange keine Opposition.

HerbertP


Nomen est Omen
25.04.2016

Meine Großmutter pflegte mich am 25.04. eines jeden Jahres zum Namenstag zu gratulieren. Jeder von uns hat einen Namen und mit jedem dieser Namen ist eine Geschichte verbunden. Mit Blick auf meine rheinisch-katholische Herkunft ist der 25. April dem Evangelisten Markus gewidmet, dessen Wappentier der Löwe ist – mithin das Wappentier der Stadt Venedig, die vom Markusdom dominiert ist.

Dieser lateinische Ansatz verbindet mich mit unserer Bundeskanzlerin, deren Vorname vom lateinischen angelus, dem Wort für Engel abstammt. Laut Wikipedia steht der Name zudem in Verwandtschaft zum persischen Wort angaros, mit dem ein reitender Eilbote beschrieben wurde.

Dagegen verbirgt sich hinter dem Vornamen Barack ein arabischer Wortstamm, der den Gesegneten bezeichnet, im ägyptischen oft als Mubarak verwendet wird und laut Wikipedia dem lateinischen Benedictus entsprechend, hinlänglich bekannt als unser emeritierter Papst.

Da trifft sich also unsere reitende Eilbotin mit dem Gesegneten in Hannover – einer Stadt, deren Name vom „hohen Ufer“ abgeleitet wurde, da die Gründer an der Leine einen hochwasser-sicheren Standort auswählten. Und sie reden über den Abbau von Schutzwällen. Wenn sie da mal nicht am Ende absaufen.

Mal ehrlich, was an dem Handel zwischen Europa und den USA funktioniert nicht, dass man ein neues Abkommen aushandelt? Der inzwischen politisch doch arg strapazierte Bürger wird angesichts der katastrophalen Medienarbeit um dieses Abkommen herum doch zurecht misstrauisch. Ich habe ja das Gefühl, die mangelnde Kommunikation liegt unter anderem daran, dass der dafür zuständige Wirtschaftsminister nicht in der Lage ist, den Inhalt adäquat wiederzugeben.

Sigmar wiederum leitet sich aus dem Althochdeutschen Worten sigu und mari ab und bedeutet soviel wie berühmter Sieg. Womit wohl bewiesen ist, dass Nomen doch nicht immer Omen est.

HerbertP


Zwischen Überzeugung und Populismus
18.04.2016

War das jetzt die Berühmte Katze, die aus dem Sack gelassen wurde? Die AfD-Vorderen von Storch und Gauland präsentieren den Islam-kritischen Teil des AfD-Programm-Vorschlags der Öffentlichkeit. Mal unterstellt, dass sie sich professionell hinsichtlich Medienwirksamkeit beraten lassen, haben wir es hier mit dem Einrammen von Eckpfeilern in der Wahrnehmung zu tun, um die gegensätzlichen Meinungsträger in eine Position der Reaktion zu drängen.

So trat der rheinland-pfälzische AfD-Landesvorsitzende Junge heute morgen im Deutschlandfunk auch prompt in diese Falle und verwies etwas blaß auf die Bremse mit dem Hinweis, dass es eine ausreichende Zahl von Änderungsanträgen gerade die Islam-Formulierungen betreffend eingereicht worden seien, über die alle über 1.000 Parteimitglieder beim entscheidenden Parteitag basisdemokratisch abstimmen würden.

Nüchtern analysiert befindet sich die AfD im Spagat zwischen Überzeugung und Populismus. Eine Bewahrung der deutschen Werte im Zusammenleben ist angesichts der zunehmenden Diversifizierung der internationalen Einflüsse in unserem Alltag ein durchaus bedenkenswertes Ziel. Gehen wir alle in uns und erforschen kurz die Empfindung, die wir haben, wenn wir in einem Urlaubsland in einer fremden Gruppe von Menschen stehen, die sich unterhalten und wir verstehen kein einziges Wort.

Um einen konkreten Punkt herauszugreifen: Es ist aus meiner Sicht durchaus ein sinnvoller Vorschlag, die deutsche Sprache für die Gebetshäuser in unserem Lande einzuführen. Wenn ich als Katholik eine Messe in meinem Urlaubs- oder Gastland besuche, dann wird diese auch nicht auf deutsch gehalten, sondern in der Sprache der jeweiligen Region. Es wäre ein großartiges Zeichen von Integration, wenn jeder von uns in der Lage wäre, das zu verstehen, was Menschen in Gebetshäusern hören, die sich in unserem Lande befinden.

Es würde vor allem einen Teil der Angst der Menschen nehmen, die sich heute von unseren „Volkspolitikern“ nicht mehr mitgenommen fühlen und sich daher denjenigen zuwenden, die eine klare Sprache verwenden. Und hier liegt zurecht der große Kritikpunkt am AfD-Programm-Entwurf. Wieviel Populismus steckt in dem Papier, auf dass die Öffentlichkeit gewartet hat, um die Seriösität dieser neuen politischen Kraft einzustufen?

Die Führung der AfD hat dann eine große Chance auf Nachhaltigkeit der Wählerunterstützung, wenn sie es jetzt schafft, mit den Mitteln der etablierten Parteien kleine Veränderungen anzustoßen. Der Versuch, es alles anders zu machen, ist in vergangenen Neugründungen bereits als gescheitert bewiesen. Das war im im übrigen die Idee eines Hans-Olaf Henkel, der sich seinerzeit an die Spitze einer Bewegung setzte, um Veränderungen herbeizuführen. Wenn die Kräfte, die ihn überholt haben, diese Grundidee ignorieren, wird auch die AfD ein Strohfeuer bleiben und in internen Grabenkämpfen die Außenwirkung verlieren.

Hier liegt die Chance des Grundsatzprogramms, dass am Ende ein überzeugender Weckruf zur richtigen Zeit sein kann. Mit dem Auftritt von Gauland und von Storch klingt es zu sehr nach Populismus.

HerbertP


Achtung, Satire!
11.04.2016

Da stellt sich ein Mensch vor die Kamera, kündigt Satire an, liefert Satire, erzielt den gewünschten medialen Effekt und löst eine Generaldebatte aus. Ich behaupte, nicht die Hälfte der Diskutanten weiß, warum es wirklich geht.

Der Begriff: Satire ist im engeren Sinne des Wortes eine Spottschrift, die den Gegenstand der Abhandlung der Lächerlichkeit preisgibt. Es wohnt der Satire inne, sich zum Erzielen der gewünschten Aussage, der Elemente zu bedienen, wie man sie aus den Theatern und Kabarettbühnen zu gut kennt. Satire ist ironisch und spöttisch. Sie nutzt die verzerrte Nachahmung und den bewußten Widerspruch. Sie parodiert und persifliert. Aber – ist Satire zwingend lustig? Oder komisch? Soll sie das sein?

Komisch ist, was Gelächter oder Heiterkeit hervorruft. In den Diskussionen der vergangenen Tage zeigt sich immer wieder auf, dass Satire zu oft mit Anwendung von Humor verwechselt wird. Humor wiederum ist die Eigenschaft, den ernsten Ansprüchen des Alltags mit einer heiteren Gelassenheit zu begegnen.

Wenden wir mal die Begriffe auf Böhmermann an:
War es Satire? Ja, eindeutig.
War es komisch? Da bin ich mir nicht mehr ganz sicher, ob es das Ziel der Autoren war, Heiterkeit und Gelächter hervorzubringen.
Hat das was mit Humor zu tun? Definitiv nicht, denn die klare Absicht des Satirikers Böhmermann war es, die Ernsthaftigkeit der Situation mit dem Mittel der Satire zu beschreiben.

Bleibt noch das Thema der Meinungsfreiheit. Die bildet für mich die Quintessenz der Aktion von Böhmermann. Satire muss nicht komisch sein, um Wirkung zu erzielen. Und schon gar nicht benötigt es Humor, um als Satiriker die Welt zu beleuchten. Satire ist aber auch nicht das Feigenblatt, mit dem andere Grundwerte des gesellschaftlichen Wertekanons außer Kraft gesetzt werden dürfen.

Wo diese Grenzen liegen, verbleibt vom Betrachter aus subjektiv. Und hier hat Böhmermann etwas geleistet, in dem er bewußt grenzwertig agiert hat. Die sich nun anschließenden diplomatischen Herausforderungen zwingen die Verantwortlichen, Farbe zu bekennen. Etwas, was unseren Politikern abhanden gekommen ist und zum Erstarken der Alternativen geführt hat.

Respekt, Herr Böhmermann!

HerbertP


Panama, Außenminister aD und die Ruhe vor dem Sturm
05.04.2016

Briefkastenfirmen, die von Panama aus in der ganzen Welt aufgebaut werden, sind keine Besonderheit. Wer ein wenig mit den wirtschaftlichen Abläufen zu tun hat, der kennt diese Methoden und Schachtelbauweisen.

Manche davon sind steuerinduziert. Selbst deutsche Immobilienfonds bedienen sich Luxemburger Zweckgesellschaften. Allerdings transparent und in jedem Geschäftsbericht nachvollziehbar.

Mit den hier aufgedeckten Verstrickungen aber verhält es sich anders. Wenngleich das bloße Aufsetzen dieser Strukturen in der Tat nicht strafbar ist, so darf sich jeder Interessierte fragen, warum ein Mensch dies tut, wenn er es anschließend dann doch offiziell versteuert.

Die Regeln zur Feststellung des wirtschaftlichen Berechtigten einer Transaktion sind seit Jahren verschärft worden. So gelten diese nicht nur für Banken, sondern auch für Dienstleistungsunternehmen, die sich im Vorfeld darüber informieren müssen, wer der Vertragspartner einer Transaktion ist. Dies wirkt Briefkastensystemen entgegen. Meines Erachtens sollten diese Regeln noch klarer sanktioniert werden. Was schließlich sollte in normalen Geschäftsleben auch verschleiert werden?

Zäsur: Die FDP hat zwei tragende Politiker verloren, die Bundesrepublik verneigt sich vor zwei ehemaligen Außenministern. Hans-Dietrich Genscher ist im Zusammenhang mit der deutschen Einheit sicherlich an den größeren politischen Umbrüchen beteiligt gewesen, zuletzt auch im Umfeld der Freilassung des Milliardärs Chodorkowski. Guido Westerwelle gebührt der gleiche Respekt für sein Lebenswerk, dass im Alter von 54 Jahren vielleicht zu früh geendet hat.

Deutschland aber muss sich fragen, wo in der heutigen politischen Landschaft die Talente sind, die in die Fußstapfen jener politischen Schwergewichte treten, denen Beliebigkeit im Auftreten und den Aussagen zuwider waren. Ein wirklicher Verlust!

Da ist es doch gut zu sehen, dass Griechenland nun beginnt, illegale Einwanderer konsequent in die Türkei zurückzusenden. Beruhigend, oder? Das Erebnis ist, dass eine Vielzahl der Flüchtlinge nun in Griechenland den Asylantrag stellt, um wenigstens in der EU aufgenommen zu werden. Das alles scheint wohlgeordnet.

Für mich ist es die Ruhe vor dem Sturm. Meines Erachtens lösen wir die Probleme nicht, in dem wir ein paar hundert oder tausend Menschen in die Herkunftsländer zurückverschiffen. Die Spannungen in diesen Ländern sind damit nicht einzudämmen, die wahren Gründe für den Aufbruch der einzelnen Menschen sind damit nicht gelöst.

Hier versagt die Weltpolitik, allen voran die UNO. Das friedvolle Zusammenleben der Volker und Gruppen innerhalb von Ländern ist gefährdeter den je. Einigeln ist da der falsche Weg zur Lösung.

HerbertP


... et resurrexxit - altmodisch oder aktueller denn je?
27.03.2016

Es ist Ostern! Die Christen feiern ein zentrales Fest Ihres Glaubens - katholisch wie evangelisch. Jesus gab sein Leben für die Welt und ist nach drei Tagen auferstanden. Der Sohn Gottes gab sein Leben zum Wohl der Seinen,

Für alle, die dieser Welt nicht folgen, sind diese Zeilen Provokation, Kontradiktion oder einfach nur egal. Mag sein,
Ich selbst war heute in einer mir fremden Stadt in einem österlichen Hochamt, dessen Landessprache ich nicht verstand, Aber die Musik wurde von Mozart, einem Österreicher geschrieben, Die Worte waren Latein. Die Abläufe des Gotesdienstes waren so vertraut, dass ich ohne weiteres dem Ritus folgen konnte,

Beim Friedensgruß nach dem Vater unser gab ich völlig fremden Menschen einen Friedensgruß in unseren Sprachen. Befremdlich? Keineswegs. Eher vertraut. Europäisch! Christlich.

Wenn wir heute angesichts der Rückerorberung Palmyras, mit dem Bild der Toten in Pakistan, vor dem Hintergrund der Brüsseler Anschläge und der allgemeinen Verunsicherung im Umgang mit dem Fremden innehalten, dann kann ich für mich nur sagen, dass unsere Gesellschaft auf fundierten Werten aufgebaut ist.

Wenn wir uns im Angesicht der Werte der französischen Revolution und der Aufklärung auf die Grundwerte der christlichen Werte unserer Verfassung besinnen, dann sollte uns das das Selbstbewusstsein geben, den aktuellen Themen entgegenzutreten.

Das mag fundamentalistisch klingen, ist aber im christlichen Sinne versöhnlich gemeint. Das mag Menschen irritieren, funktioniert aber erstaunlich gut,

Ich wünsche uns allen ein Frohes Osterfest.

HerbertP


Strömungen, Grenzen und Besuche – der Blick am 21.03.2016
21.03.2016

Das Statistische Bundesamt veröffentlicht die Migrationszahlen 2015 – zugegeben eine Schätzung, die aber die gewollte Wirkung nicht verfehlen wird: Nichts wird so heiß gegessen, wie gekocht. Deutschland 2014 hatte einen positiven Zuwanderungssaldo resultierend aus ca. 1,3 Mio. Zuzügen und ca. 766.000 Fortzügen. Diese Entwicklung hat sich nun nach 2015 zwar verändert, dramatische Entwicklungen jedoch sind nicht zu verzeichnen. Die Zahl der Zuzüge ist auf ca. 2 Mio. gestiegen, die Zahl der Fortzüge erhöhte sich auf ca. 860.000 Menschen. Damit erhöht sich der positive Zuzugssaldo 2014 nach 2015 um rund 600.000 Menschen.

Der Regierung um Angela Merkel werden diese Zahlen helfen. Es sind keine Millionen von Menschen, die Deutschland zusätzlich aufgenommen hat seit der Öffnung im Herbst 2015. Und das Revival der Genscher´schen Scheckbuchdiplomatie wird dafür Sorge tragen, dass es 2016 keine Wiederholung des Zustroms im gleichen Maße geben wird. Merkel wird es schaffen, diese Entwicklung als Sieg ihrer langfristigen Strategie zu verkaufen. Und die Mehrheit der Öffentlichkeit könnte dieser Sicht folgen. Beobachten wir nur ihre Zustimmungswerte in den kommenden Wochen.

Seit dem Wochenende sind die Außengrenzen der EU noch undurchlässiger. Griechenland sendet illegale Migranten kurzerhand zurück in die Türkei. Dort werden sie in legale Migranten nach Europa eingetauscht. Aus meiner Sicht ein menschenverachtendes Prozedere ohne Rücksicht auf Einzelschicksale. Und das scheinen die Politiker zu vergessen: Hinter Strömen und Tausenden verbergen sich Menschen, die sich aus unterschiedlichsten Gesichtspunkten auf den Weg gemacht haben. Hier versagt Europa auf ethischer Ebene flächendeckend. In einer Solidargemeinschaft wäre die Vereinbarung einer gerechten Lastenverteilung ein leichtes, wenn dies nur gewollt wäre.

Doch auch hier siegt die langmütige Gleichgültigkeit der politischen Elite Europas. Ein trauriges Kapitel vertaner Chancen.

Da läßt uns doch zurecht aufhorchen, dass ein amerikanischer Präsident nach 88 Jahren wieder das kubanische Eiland betritt, um die Hand zu reichen. Nun, offen gesagt, seine Landsleute sind ja schon länger da in einer kleine Ecke der Insel, die amerikanisches Staatsgebiet darstellt und der Unterbringung politischer Häftlinge dient. Moment – Obama und Guantanamo? Richtig, der Friedensnobelpreisträger versprach einst, jene Lager schnellstmöglich zu eliminieren. Vermutlich hatte sein Büro in Vorbereitung auf den Besuch lediglich vergessen, ihn auf dessen Existenz hinzuweisen. Dann diskutiert es sich leichter über die Unrechtssituation des kubanischen Herrscher-Clans der Castros.

Die netten amerikanischen Rentner, die sich bereitwillig den deutschen Medien zum Interview stellten, interessiert das wohl kaum. Sie werden hoffen, dass der Preis für Rum und Zigarren nicht ins Unermessliche steigen wird, angesichts der zunehmenden Nachfrage. Wer in Deutschland angesichts Negativzinsen also eine Investitionsmöglichkeit sieht, sollte kubanische Zigarren jetzt kaufen. Bei richtiger Lagerung können sie, ähnlich französischem Rotwein, eine echte Wertanlage sein.

HerbertP


Die Landtagswahlen vom 13.03.12016 und die Ergebnisse
14.03.2016

Das Wochenende ist vorüber, das Gewitter mit Blitz, Donner und Hagelschlag hat sich ausgetobt - heute beginnt nun die Schadensbegutachtung und die Entwicklung von Konzepten.

Die Landtagswahlen in Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Sachsen-Anhalt nur auf die Entwicklung um die AfD zu reduzieren, ist dabei zu kurz gesprungen. Es gab viele Entwicklungen, die bemerkenswert sind:

1. Rheinland-Pfalz:
Die Amtsinhaberin hat einen uneinholbaren Rückstand wettgemacht und sich erneut durchgesetzt. Der Koalitionspartner Grüne schwächelt. Die FDP kehrt deutlich zurück. Die AfD ist die dritte Kraft im Land.
Für mich als CDU-naher Bürger aber ist die Entwicklung um Julia Klöckner bedeutsam. Getrieben von sinkenden Umfragewerten hat Julia Klöckner versucht, sich gegen die Parteilinie zu profilieren und ihren eigenen Erfolg vor die Linie der Gemeinschaft gestellt. Das mögen CDU-Wähler offensichtlich nicht. Das heißt nicht, dass der Partei-mainstream der allein seelig-machende Weg sein muss. Für seinen eigenen Erfolg jedoch die eigenen Reihen aufzubrechen, ist ein No-Go. Hätte sie bloß einmal von Clausewitz studiert. In Rheinland-PFalz dürfte sie verbrannt sein - nocheinmal 5 Jahre Junior oder Opposition wird sie wohl nicht machen.

2. Baden-Württemberg
Es ist schon erstaunlich, dass der CDU-Kandidat nach minus 11% in den Stimmen der Meinung ist, er könne selbstbewußt eine Regierung bilden, da Kretschmann mit den Grünen nun ja keinen starken Partner hat. Die SPD ist erschreckend schwach - ein FDP reloaded. Die sind erfreulichermaßen wieder präsent und es würde mich nicht wundern, wenn sie die Regierung als Koalitionspartner stärken würden. Die AfD hat auch hier die Mehrheiten gesprengt.
Winfried Kretschmann jedoch ist für mich ein buchstäblicher Wolf im Schafspelz. Was sein Auftreten als Ministerpräsident noch mit ur-grüner Politik zu tun hat, darf hinterfragt werden. Würde er CDU-Mitglied seine, fiele das auch nicht wirklich auf. Vermutlich liegt diese CDU-Kopie-Wahrnehmung den Zuwächsen der grünen Wähler zugrunde. Es muss nicht das Schlechteste für BaWü sein.

3. Sachsen-Anhalt
Hier kann man wohl zurecht von einem Gewittersturm sprechen. Die AfD als zweitstärkste Kraft, die es schaffte rund 9% der Nicht-Wähler zu mobilisieren. Aufgewacht, Deutschland. Hier absorbiert eine Gruppe die Frustration einer Gesellschaft und wandelt sie in politische Stärke. Genau diese Systematik ist das Bedenkliche, was wir mitnehmen sollten. Die Nach-Wende-Generation in einer tendenziell strukturschwachen Region hat hier ein Ausrufezeichen gesetzt, dass es zu Bedenken gilt. Der etablierten Politik darf zurecht Versagen vorgeworfen werden.
Wie geht es dort weiter? Die CDU wird vermutlich eine Koalition aufgestellt bekommen, schließlich schließt ein gemeinsamer Feind die Reihen. Und hierin liegt die Chance, Politik wieder verständlich zu machen für diejenigen, die glauben, dass Protest und Trotz die richtige Reaktion in der Wahlkabine sind.

Von den LINKEn kann man übergreifend besprechen, dass sie seit dem Rückzug des Flagschiffs Gysi weniger polarisieren und kaum gehört werden. Sie haben ein Stammwählerpotential, das sie abrufen, versinken aber als solches in der Nische, in die sie sich selbst hineinmanövriert haben.

Fazit
Was lernen wir nun aus dieser Wahl? Aus meiner Sicht muss Politik sich endlich lösen von vorausschauenden Meinungsumfragen und angeblichen Trends in der Stimmung der Menschen im Land.
Politik ist aktive Gestaltung unseres Lebensumfeldes. Sie muss verständlich, nachvollziehbar und vorausschauend sein. Diese drei Merkmale sind von allen etablierten Parteien in Regierungsverantwortung zuletzt stark vernachlässigt worden.
Es wird Zeit, sich darauf rückzubesinnen. Dies entzieht dem Protest die Basis und wird dazu führen zu verhindern, dass Menschen in Scharen denjenigen zulaufen, die zwar kein Konzept haben, aber glaubhaft vermitteln, es anders machen zu wollen.
Denn mehr ist das AfD-Phänomen nicht als ein Statement gegen das Establishment. Ich drücke allen Verantwortlichen die Daumen, dass sie die richtigen Rückschlüsse ziehen.

HerbertP
51. Internetkanzler


Der 51. Kanzler heißt HerbertP
09.03.2016

Seit 2002 mit kleineren Pausen in DOL aktiv habe ich so ziemlich jede Rolle in diesem Spiel schon einmal übernommen.
Nach dem Beginn in der IDL führte mich der Weg in die UNION, der ich seither die zeitlich größte Bindung geschenkt habe. In den Parteirollen führte mich der Weg bis hin zum Parteivorsitzenden.

Nun also die Kanzlerposition.

Ich werde versuchen, mit Gelassenheit und Zeiteinsatz diese Rolle im heutigen Verständnis DOLs auszufüllen. Wenn es mir gelingt, DOL ein klein wenig voranzubringen, dann ware ich zum Ablauf der Legislaturperiode zufrieden.
Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit der Redax und auf spannende Diskussionen mit Euch, den DOLern.

Herzlichst
HerbertP