Thema: 54. Legislaturperiode (Parenthesis)Neuer Beitrag
Von: @Info 11.11.2017 18:16 Uhr
Parenthesis amtierte von März bis Juli 2017 als 54. Internetkanzler.

Im Kanzleramt wurden in dieser Zeit 16 Mitteilungen veröffentlicht.


Zwischenspiel beendet.
11.7.2017

Hello Doler*innen,

das letzte Statement als Kanzler beginnt schon mit der Anrede, die ich im Laufe der letzten vier Monate meistens genutzt habe. Die weibliche Form mit dem Gendersternchen in der Mitte provoziert in dieser sogenannten Community immer wieder Fragen nach der eigenen Geschlechtszugehörigkeit, oft auch abfällige Bemerkungen.

Über Parteigrenzen hinweg wird bei Dol2day fast mit einer Stimme die Binarität von Geschlecht und die Natürlichkeit dessen vorausgesetzt und verteidigt. Ebenfalls sonderbare Koalitionen von Leuten entstehen, wenn es um eine generelle Ablehnung der Frauen- und Genderforschung geht. Es wird wohl als Affront betrachtet, dass nach Jahrhunderten der männlich dominierten Forschung Frauen und queere Menschen einen anderen Blick einführen und einen Wissenschaftsbereich prägen.

Es ging mir in den letzten vier Monaten immer wieder um einen anderen Blick, einen anderen Auftritt, einen anderen Stil. Es ging mir um Blicke vom Rand her, um Interventionen gegen Vorurteil und Diskriminierung. Angetreten gegen die Zumutungen des rechten Spektrums musste ich zunehmend feststellen, wie stark auch die Mitte bei Dol2day vermeintlich gesicherte und eingeübte Wahrheiten und Rituale nicht infrage stellen will.

Wer vom Rand her denkt, ist auf sich selbst gestellt, stellt Wir und Team in den Fokus der Kritik. Und hat oft noch keine gangbare Alternative vor dem Fuß.

Mehr aus Zufall ergab sich eine Kanzlerschaft. Ein Paradox für jemanden, der nicht rechts, nicht mittig sein will - der Machtausübung kritisiert. Dieses Zwischenspiel ist nun vorbei. Etabliertes darf wieder in den Mittelpunkt, das entspricht auch besser der herrschenden Realität.

Wer sich in diesem Sommer der Welt- und Dolrettung nicht völlig dem Aktionismus hingeben will, könnte zu guten Büchern greifen.

Ich empfehle zum Abschluss drei Bücher:

von Marlen Haushofer die Romane "Die Wand" und "Die Tapetentür" und von Sylvia Plath das Langgedicht "Drei Frauen".

Die Texte der beiden Autorinnen nehmen Frauen in den Blick, die sich von der männlichen Welt entfremden, die ihre Rollen als Frauen und (werdende) Mütter nicht demütig, natürlich annehmen, sondern an den aufgezwungenen Rollen leiden, die Grenzen mit Widersinn bedenken und womöglich untypisch handeln.

In diesem Sinne grüße ich, P.


Dol-Feiertag: Unabhängigkeitserklärung.
4.7.2017

Hello Doler*innen,

weiße und christliche Männer, viele von ihnen Sklavenhalter, beschließen am 4. Juli 1776 die Unabhängigkeit ihrer 13 amerikanischen Kolonien von der britischen Krone. Sie schreiben fest:

"Wir halten diese Wahrheiten für ausgemacht, daß alle Menschen gleich erschaffen worden, daß sie von ihrem Schöpfer mit gewissen unveräusserlichen Rechten begabt worden, worunter sind Leben, Freyheit und das Bestreben nach Glückseligkeit."

Gleichheit, unveräußerliche Rechte, vor allem Leben, Freiheit und das Streben nach Glück.

Vermutlich ist es vielen der Unterzeichner der Erklärung gar nicht bewusst gewesen, welche Ungeheuerlichkeiten sie da auf Papier brachten. Papier ist geduldig und die Verfasser waren unter sich und sandten ihre Worte ausschließlich an ihresgleichen, weshalb sie allgemein von allen Menschen schrieben, weil jedermann wußte, wer gemeint war.

Es dauerte dann Jahre, Jahrzehnte, Jahrhunderte und dauert an bis zum heutigen Tag, dass Menschen, die nicht weiß, christlich, männlich - und ja, auch nicht heterosexuell - waren und sind, ihre Rechte in mühsamen Kämpfen einforderten und einfordern, sich auf die Unabhängigkeitserklärung beriefen und berufen.

So ist es womöglich der Borniertheit der Verfasser zu verdanken, dass bei dieser Staatsgründung die Idee der allgemeinen Menschenrechte zum Postulat wird, das nicht mehr ungeschehen zu machen ist, das in alle Welt - zunächst insbesondere nach Europa - ausstrahlte und weiter strahlt.

Das Streben nach Glück hat viele Formen und Gestalten und kommt auch heute noch an Grenzen - nicht zuletzt solche der Klassen und Schichten - aber es ist als zutiefst menschlich definiert worden und weckt immer aufs Neue Phantasien und Utopien, wie es besser sich entfalten könnte.

In diesem Sinne also grüße ich an diesem dolgesetzlichen Feiertag alle Doler*innen,

P.


Regierungserklärung
1.7.2017

"Wo nun? Wann nun? Wer nun? Ohne es mich zu fragen. Ich sagen. Ohne es zu glauben. So was Fragen, Hypothesen zu nennen. Fortschreiten, so was schreiten zu nennen, so was fort zu nennen."

Samuel Beckett; Der Namenlose


Dol-Feiertag: Christopher Street Day!
28.6.2017

Hello Doler*innen,

heute ist ein dolgesetzlicher Feiertag. Heute wird ein Aufstand gefeiert.

Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transgender (LGBT), viele von ihnen Afroamerikaner*innen und Latinos, widersetzten sich in den frühen Morgenstunden des 28. Juni 1969 einer Polizeirazzia.

Ort des Geschehens: Die Stonewall-Bar in der Christopher Street in New York. Schnell wurde aus einer Schlägerei eine Straßenschlacht. Auch in den nächsten Nächten kam es zu Unruhen. Die Diskriminierung und Entwürdigung wurde nicht länger hingenommen. Das Ereignis führte zu einem weiteren Erstarken der Befreiungsbewegung der LGBT in den USA und in vielen westlichen Staaten.

Zur Erinnerung an den Aufstand und zur Feier der eigenen sexuellen Identität mit Mut, Lust und Stolz wurden und werden jährlich die Gay Prides organisiert, in Deutschland auch bekannt als Christopher Street Day (CSD).

Der Kampf um Emanzipation hatte Erfolge, war aber ein weiter Weg. In Deutschland wurde erst 1994 der Strafrechtsparagraf 175, der homosexuelle Handlungen verfolgte, ersatzlos gestrichen. Eine Entschädigung der Opfer, die Geld- oder Haftstrafen verbüßen mussten, wurde erst kürzlich beschlossen, die entsprechenden Urteile werden aufgehoben, wobei leider einvernehmliche Handlungen mit 14-16-Jährigen nicht unter die Rehabilitation fallen.

Es gibt aber noch viel zu tun: Vielleicht kommt in den nächsten Tagen die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare. Vielleicht. Aber auch dann ist nicht alles gut. Denn auch in Deutschland berichten Menschen aus der LGBT-Community immer wieder von Beleidigungen und Übergriffen.

Nicht vergessen werden sollte zudem die anhaltende gesetzliche Diskriminierung, Verfolgung, Gewalt bis hin zu Todesstrafen wegen Homosexualität in vielen Ländern der Welt. Hier ist weiterhin internationale Solidarität vonnöten, hier muss Druck gemacht werden.

Und bei dol2day sind Herabwürdigungen wegen der sexuellen Identität immer wieder präsent. Deshalb sollte die Doliquette dahingehend geändert werden, dass die LGBT-Feindlichkeit namentlich als unerwünscht erwähnt wird.

Heute und in diesen Tagen feiern also wieder viele Menschen Vielfalt, Buntheit, Selbstbestimmung auf den Straßen und Plätzen, die Bewegung ist in der bürgerlichen Mitte angekommen. Aber vergesst nicht: Es war kein Spaziergang, der den Stein ins rollen brachte, es war ein Aufstand.

In diesem Sinne grüßt P.


Wieder für das Wider
15.6.2017

Moin Doler*innen,

wenn irgendwie eine Mehrheit sich findet, mache ich es noch mal vier Monate. Ich kandidiere also für eine Wiederwahl. Vielleicht regt meine neue Kandidatur ja auch Widerspruch in der Form von Alternativkandidaturen an. Zumindest gibt es damit die Möglichkeit, über Form und Inhalt meiner Amtsführung abzustimmen.

Ich habe in den vergangenen Monaten eine kontinuierliche Aktivität entfaltet, bisher 32 Schlagzeilenumfragen gestellt. 10 Statements veröffentlicht (per Rundmail und auf allen sonstigen Kanälen, die das Amt bietet) und zu einer Reihe von Themen im Kanzleramtsforum Fäden eröffnet. Es gab vor allem von der rechten Seite des Hauses klare Gegenreaktionen, manchmal traf ich wohl einen Nerv. Die Polarisierung von Dol2day wurde hierbei offensichtlich.

Ich habe eine Regierungsverordnung erlassen, die mangels regelkonformen Widerspruchs in Kraft trat. Somit wurde Dol2day mit den Feier-und Trauertagen ein neues Simulationselement hinzugefügt. Ich würde dieses Element gern weiterhin mit Leben füllen und auch damit Diskussionen anregen über das Wertegerüst, das eine Demokratie m.M. nach benötigt.

Manche Pläne hängen noch in der Pipeline, brauchen Rücksprache mit der Redaktion. Eine Reihe Material schlummert noch in meinen Widerworten aus meinem letzten Wahlkampf. Eine zweite Amtszeit gäbe mir also die Möglichkeit, ein paar weitere Sachen umzusetzen und weiter politische Akzente zu setzen.

Mein Fokus wird wie gehabt der Widerspruch im Sinne der Freiheit des Individuums sein und deshalb klare Ansagen gegen rechte und faschistoide Gesellschafts- und Menschenbilder beinhalten. Die Kluft zwischen den Lagern ist bei Dol2day tief und ich bin kein Brückenbauer, sondern werde die Gegensätze klar konturiert aufzeigen. Ein Wir werde ich wiederum nicht behaupten, ich bleibe subjektiv.

In diesem Sinne freue ich mich auf einen spannenden Wahlkampf,

P.


Alter und Würde
15.6.2017

Hello Doler*innen,

heute, am 15. Juni, ist der Welttag gegen die Misshandlung älterer Menschen und zugleich dolgesetzlicher Trauertag.

In der Pflege älterer Menschen kann es schnell zu Überforderungen der Pflegenden kommen. Gerade wenn Angehörige, oft noch neben dem Beruf, die häusliche Pflege durchführen, können grenzwertige Situationen entstehen.

Wichtig ist es, dass darüber gesprochen wird, dass Tabus aufgebrochen werden und externer Rat zur Verfügung steht und Wissen vermittelt wird, um belastende Situationen zu entschärfen. In der Regel entsteht also die Misshandlung nicht aus böser Absicht, sodass hier helfend angesetzt werden kann.

Sprichwörtlich werden alte Menschen gern mal mit Kindern verglichen, der Kreis des Lebens schlösse sich hier. Aber beide Altersstadien haben ihre ureigensten Bedürfnisse und Kinder und alte Menschen haben unveräußerliche Rechte. Es gehört ohne Zweifel viel Geduld und Liebe dazu, den Menschen in allen Lebenslagen als Menschen mit Würde zu behandeln.

Dass das auch zu tun hat mit der notwendigen materiellen Ausstattung von Pflege, ob zu Hause oder in Heimen, liegt auf der Hand. Hier gibt es nach wie vor deutlichen Verbesserungsbedarf.

An diesem Tag kann es also sinnvoll sein, sich in die Lebenslage alter Menschen hineinzufühlen und im eigenen Umfeld wachsam zu sein, um Hinweise auf Misshandlungen nicht zu übersehen und andererseits den vielen pflegenden Menschen den Rücken zu stärken, ihre so wichtige Aufgabe für alle Seiten befriedigend ausführen zu können.

Es grüßt P.


Meer sehen.
8.6.2017

Der weltweit begangene, auch von den Vereinten Nationen zelebrierte "Tag des Meeres", der neuerdings dolgesetzlicher Feiertag ist, ruft zu einer Assoziationskette:

Plitschplatsch. Sonnencreme. Sandburg. Muschel. Artenvielfalt. Wiege allen Lebens. Überfischung. Nahrung. Tiefsee. Unterseeboot. Seefahrt. Not. Reichtum. Container. Frachten. Massengrab. Flüchtlingsboote. Rettung. Reinheit. Ölteppiche. Plastikmüll. Rauschen. Urkräfte. Magie. Weite. Fluten. Meeresspiegel. Küstenschutz. Gezeiten. Stürme. Schiffbruch. Navigation. Seemannsgarn. Bernstein. Schiffwracks. Expeditionen. Natürliche Grenze. Meeresfrüchte. Untiefen. Erdoberfläche. Horizont. Endlose Weiten. Logbuch. Sterne. Dünen. Urlaub. Erholung. Brandung. Abenteuer. Klimawandel. Migration. Inseln. Steilküsten. Wattenmeer. Würmer. Poseidon. Windstärken. Segel. Leinen. Tampen. Zwieback. Ratten. Spiegelungen. Fjorde. Häfen. Ozeanriesen. Wale. Greenpeace. Schlauchboot. Passage. Erdumrundung. Kompass ...

Weitere Infos zu diesem Tag findest du hier:

https://en.wikipedia.org/wiki/World_Oceans_Day

Zur derzeit stattfindenden UN-Meereskonfernz geht es hier:

https://oceanconference.un.org/


Dolgesetzlicher Trauertag: Aggressionsopfer Kinder
4.6.2017

Internationaler Tag der Kinder, die unschuldig zu Aggressionsopfern geworden sind - dolgesetzlicher Trauertag

Krieg ist immer furchtbar. Aber Kinder leiden in besonderer Weise, ihre Seelen und Körper, die noch in der Entwicklung sind, tragen besonders schwer unter den Schrecken des Krieges. Viele Kinder werden traumatisiert, ihr Leben wird geprägt von den oft unaussprechlichen Erfahrungen, denen sie ausgesetzt waren.

Deshalb ist dieser Tag als Aufruf der Vereinten Nationen, insbesondere der kindlichen Opfer der Kriege zu gedenken, richtig. Selbst wenn seine Ausrufung 1982 wohl sich sehr einseitig auf den Nahostkonflikt und die kindlichen Opfer in den palästinensischen Gebieten und im Libanon bezog und vor allem Israel als Aggressor ansprach, was die Ursachen dieses Konfliktes völlig unterkomplex darstellte.

Seitdem bemühte sich die Organisation aber, aller Kinder zu gedenken, die unter Krieg und Terror leiden.

Nicht vergessen werden sollten auch die Kinder, die in perfider Weise zu Kampfmaschinen gemacht werden. Terre des Hommes schätzt die Zahl der Kindersoldaten auf cirka 250 000 in 20 Ländern. Sie werden ihrer Kindheit beraubt, oftmals auch sexuell missbraucht und zugerichtet zur Gewalt. Häufig werden sie für besonders gefährliche Einsätze abgestellt. Sie können Opfer und Täter zugleich sein. Ihre Perspektiven für ein geregeltes Leben sind auch nach Ende der Kämpfe schwer eingeschränkt.

Aber auch im Frieden können Kinder Opfer von Gewalt und Missbrauch werden. Zu Recht gilt in Deutschland unterdessen das Gewaltverbot in der Erziehung. Schon die eine Ohrfeige kann ein Kind seelisch schädigen.

Kinder sind die Zukunft. Hoffen wir darauf, treten wir dafür ein, dass diese lebenswert und würdevoll für sie werden kann und dass durch Krieg geschädigte Kinder die Hilfen bekommen, die sie dringend benötigen.


In guter Verfassung?
24.5.2017

In guter Verfassung? Oder: Ein subjektiver Geburtstagsgruß zum 23. Mai.

Vor 68 Jahren wurde im größeren Teil Deutschlands das Grundgesetz erlassen, die Bundesrepublik gegründet. Nach den Wirren des Kalten Krieges kam es 1990 im Rahmen dieser Verfassung zur Wiedervereinigung Deutschlands.

Ein bürgerlicher Staat, mit einer bürgerlichen Verfassung ist nicht die Erfüllung der Utopie von einer herrschaftsfreien, klassenlosen Gesellschaft. Einer Utopie, die unzählige Menschen zu entschlossenen und aufopferungsvollen Taten antrieb, der viele aber auch grundlegende Freiheiten des Individuums und der Rechtsstaatlichkeit opferten, weil sie glaubten, der Weg in eine freie und gleiche Gesellschaft habe ihren Preis, der auf dem Weg zu bezahlen sei.

Die realsozialistischen Staaten scheiterten tiefgreifend, die DDR war nicht demokratisch. Sie war kleinbürgerlich, paternalistisch, autoritär, sie war eine Diktatur, sie verübte systematisch Unrecht. Ihr gelang es nicht, die individuellen Freiheitsansprüche zu erfüllen, Sozialismus und Demokratie miteinander zu verbinden und bereits in der Gegenwart höchstmögliche Selbstorganisation der Menschen zu etablieren.

Eine Herrschaft, eine Klasse der Bürokraten entstand. Sie konnte keine grundlegenden Kurskorrekturen einleiten, ein Staat ohne Gewaltenteilung, ohne freie Presse und offene gesellschaftliche Diskurse kann nicht den Weg in eine freie Gesellschaft weisen.

Übrig blieb nach der friedlichen Abwicklung der DDR und ihrer Verfassung das Grundgesetz, die bürgerliche Republik. Es ist die denkbar beste und humanste Staatsform innerhalb kapitalistischer Verhältnisse. Es ist und bleibt aber eine Staatsform und damit ein System von Herrschaft und Gewalt.

Dennoch gibt es in ihrem Rahmen Freiräume und Nischen, die genutzt werden können, an einer Überwindung von kapitalistischer Ausbeutung und aller Formen der Diskriminierung und Ausgrenzung von Menschen zu arbeiten. Macht und ihre Ausübung kann teilweise begrenzt und kontrolliert werden. Individuelle Freiheitsrechte können erkämpft, ausgebaut und verteidigt werden. Die Freiheitsversprechen der bürgerlich-liberalen Ideologie sollten bis zum Letzten eingefordert und ausgereizt werden.

Gleichzeitig sollte um jede soziale Verbesserung, um jede Form der Vergesellschaftung, um jeden sozialen Fortschritt in diesem Rahmen der grundgesetzlichen Republik gerungen werden.

Freiheit, Demokratie und Sozialismus gehören zusammen, die freie Assoziation von Menschen bereits im Hier und Jetzt könnte die gesellschaftliche Entwicklung über das Ende der Geschichte hinausspringen lassen und die errungenen Freiheiten aus der bürgerlichen Gesellschaft in sich aufheben, also im Schritt über die ausbeuterische Praxis des Kapitalismus hinaus bewahren.

In diesem Sinne proste ich dem Grundgesetz zum 68. Geburtstag zu und hoffe auf evolutionäre Prozesse, die Türen öffnen zu Gesellschaftsformen, die den ordnenden Rahmen einer staatlichen Verfassung nicht mehr nötig haben.

Es grüßt P.


Regierungsverordnung Nr.1
19.05.2017

Moin Doler*innen und Doler, hiermit erlasse ich meine erste Regierungsverordnung.

Es wird dem Dol-Gesetzbuch eine Seite mit dem Titel: "Leitfaden dolgesetzliche Feier- und Aktionstage, dolgesetzliche Trauertage" hinzugefügt. (Siehe Text nach unten nach dieser Einleitung).

Über das Prozedere der Regierungsverordnung informiert das Dolgesetzbuch im Leitfaden Regierung unter Ziffer A 2)dritter Absatz:

http://www.dol2day.com/index.php3?position=8500&page_id=58

Ich freue mich auf die Diskussion zu dieser Verordnung.

Es grüßt P.

---

Leitfaden dolgesetzliche Feier- und Aktionstage, dolgesetzliche Trauertage

I

Inhalt und Zweck der Feier- und Aktionstage und Trauertage

Dol2day soll eine Demokratie-Simulation und ein demokratisches Diskussionsforum sein. Demokratie braucht Werte, die einen Rahmen geben für das Agieren in ihr.

Deshalb begeht die Institution Dol2day bestimmte Tage in besonderer Weise. Ereignisse demokratischen Fortschritts werden gefeiert, zu Aktionen zur Ausweitung einer wertegebundenen Demokratie und umfassenden Partizipation wird aufgerufen. Auch ökologische Aspekte als unabdingbare Grundlage menschlicher Existenz und Gesellschaft werden thematisiert.

Aber die Demokratie und die Würde des Menschen haben Feinde. Unermessliches Leid kam durch undemokratische, antihumane Regime über Menschen, vernichtete Menschen. Deshalb gedenkt Dol2day aktiv der von Menschen herbeigeführten Katastrophen und ihren Opfern. Dabei stellen die jeweiligen Trauertage keine Relativierung der jeweils anderen dar, insbesondere die Erinnerung an die Verbrechen des nationalsozialistischen Deutschlands soll der Einzigartigkeit dieser Ereignisse entsprechen.

II

Gestaltung der dolgesetzlichen Feier- und Aktionstage und der Trauertage

a)
Auf der Homesite von Dol2day zeigt ein Kalender Feier- und Aktionstage und Trauertage an.
b)
An Feier- und Aktionstagen wird das Dol2day-Logo mit einem bunten Band verziert. An Trauertagen wird an dem Dol2day-Logo ein schwarzer Trauerflor angebracht.
c)
Für Feier- und Aktionstage und für Trauertage ist jeweils eine Umfragekategorie im Bereich DOl-Interna eingerichtet, was die Verschränkung von Politik und Dol2day untermauert.
d)
Die Dol-Regierung ist aufgerufen, an den jeweiligen Tagen dem Ereignis gemäße Kommunikation zu betreiben.
e)
Parteien und Doler*innen sind eingeladen, sich an diesen Tagen respektvoll mit den entsprechenden Inhalten zu befassen.
f)
Die Neueinführung oder Streichung von Feier- und Aktionstagen und Trauertagen kann durch Regierungsverordnung oder Doliszit (sowohl Regierungsdoliszit als auch Basisdoliszit) beschlossen werden.

III

Folgende Tage sind dolgesetzliche Feier- und Aktionstage:

8. März - Internationaler Frauentag
21. März - Internationaler Tag gegen den Rassismus
8. April - Internationaler Tag der Roma
22. April - Internationaler Tag der Erde
23. April - Welttag des Buches und des Urheberrechts
5. Mai - Europäischer Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung
8. Mai - Bedingungslose Kapitulation Deutschlands, Tag der Befreiung Europas
14. Mai - Unabhängigkeitserklärung des Staates Israel
23. Mai - Tag des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland
3. Juni - Europäischer Tag des Fahrrades
8. Juni - Tag des Meeres
28. Juni - Christopher Street Day
4. Juli - Amerikanische Unabhängigkeitserklärung
14. Juli - Sturm auf die Bastille 1789
5. September - Refugees Welcome Day
2. Oktober - Internationaler Tag der Gewaltlosigkeit, Geburtstag Mahatma Gandhis
4. Oktober - Welttierschutztag - Tag des Tieres
17. Oktober - Internationaler Tag für die Beseitigung der Armut
1. November - Weltvegantag
10. Dezember - Tag der Menschenrechte

IV

Folgende Tage sind dolgesetzliche Trauertage:

30. Januar - Machtübergabe an Hitler und Ende der Weimarer Republik
7. April - Tag des Genozids in Ruanda, Gedenken an den Völkermord in Ruanda im Jahr 1994
24. April - Gedenktag für die Opfer des türkischen Völkermords an den Armeniern
2. Mai - Remembrance & Resistance Tag - internationaler Tag zur Erinnerung an die Verbrechen der NS-Psychiatrie und ihrer Kooperateure und Tag des Widerstandes gegen die Zwangspsychiatrie
10. Mai - Tag des (freien) Buches - Gedenktag anlässlich der Bücherverbrennung 1933 in Deutschland.
4. Juni - Internationaler Tag der Kinder, die unschuldig zu Aggressionsopfern geworden sind
15. Juni - Welttag gegen die Misshandlung älterer Menschen
2. August – Tag des Gedenkens an den Genozid an Sinti und Roma
21. August - Niederschlagung des "Prager Frühlings"
1. September - Beginn des Zweiten Weltkriegs durch Deutschland
9. November - Erinnerung an die Opfer von "Reichspogromnacht" und Holocaust


Tag der Befreiung?
08.05.2017

Spätestens mit Richard von Weizsäckers Rede 1985 wird die Formel vom Tag der Befreiung zum Allgemeingut. Hinter diesem Schild lässt sich trefflich die Kontinuität in deutschen Staatswesen verbergen - in nur teilweise verschiedener Art auf beiden Seiten des bald nach 1945 entstandenen Eisernen Vorhangs.

Täter*innen, Mitläufer*innen werden integriert, leisten Wiederaufbau, nur wenige werden zur Rechenschaft gezogen wegen ihres Wirkens im Mordkollektiv.

Es werden ein paar führende Köpfe entfernt, viele Nazis machen sich auf der Rattenlinie auf in ein neues Leben, viel mehr andere arbeiten bald wieder überall in Deutschland in Politik, Wirtschaft, Justiz, Militär und Bildung. Die juristische Aufarbeitung der deutschen Menschheitsverbrechen wird lange behindert, heute trifft sie nur noch symbolisch einige besonders alt gewordene Täter*innen.

Man kann also davon sprechen, dass die Verbrecher*innen schnell befreit wurden vom Makel ihrer Schuld, vielfach fortfahren durften, während ihre Opfer oftmals in Armut, Traumatisierung, Krankheit und Elend zurückblieben. Materiell entschädigt wurde meist erst dann, als zu Entschädigende bereits immer weniger am Leben waren.

Wir leisten uns heute Mahnmale für die Opfer, für Jüdinnen und Juden, für Sinti und Roma, für Homosexuelle und politisch Verfolgte, für Zwangsarbeiter*innen, für psychisch Kranke und Behinderte. Denn da wir selbst befreit sind, können wir den Toten gegenüber großzügig sein.

Wenn allerdings Sinti und Roma zu uns kommen, hegen wir die gleichen Vorurteile und schieben sie möglichst schnell wieder ab in ihre Misere in den Balkanländern. Und die, die hier leben dürfen, haben von uns kaum Verständnis zu erwarten.

Oder die Juden. In Sonntagsreden wird ihrer gedacht. Nehmen Jüdinnen und Juden ihr Schicksal in Israel - auch mit Staats - und Waffengewalt - selbst in die Hand, sind wir schnell zur Hand mit Belehrungen, unterstellen ihnen, sie hätten nichts gelernt aus dem Holocaust.

Wir Deutschen wurden befreit, sind nun Pazifist*innen und Moralapostel und vergleichen nur leicht kaschiert den jüdischen Staat in seinem Handeln mit Taten der Deutschen von 1933 - 1945. Der auf Israel bezogene Antisemitismus läuft zu Hochform auf, kann auch deutsche Juden treffen, die es wagen, Sympathien für den Staat Israel zu hegen.

In des deutschen Michels Seele lebt ein tiefes Unbehagen gegen den Staat der Juden - nur ein wehrloser, ein anspruchsloser Jude ist ein guter Jude. Konrad Adenauer sprach einmal davon, dass die Juden noch sehr mächtig wären. Das alte Klischee vom Juden, der die Welt am Gängelband führt, lebt in den deutschen Gemütern fort.

Am 8. Mai 1945 gab es keine Stunde Null. Die Sieger gingen erstaunlich gnädig mit den Besiegten um.

Oberflächlich wurde Buße getan, bald von oben herab, denn Deutschland war schnell wieder wer. Man gab sich teilweise demokratische, humanistische Strukturen, im Untergrund aber wabern die unheilvollen Elemente deutscher Ideologie weiter, quellen oft genug hervor. Die Rede vom Tag der Befreiung ist eine Art Schlussstrich durch die moralische Hintertür.

Von Befreiung können ernsthaft nur die überlebenden Opfer und ihre Nachfahren sprechen. Die Täter*innen und wir, ihre Nachfahren, wurden nicht befreit, erhielten aber einen Freibrief. Auf diesen sollten wir uns nichts einbilden, wir haben entgegen jeder Gerechtigkeit einfach nur mächtig Glück gehabt.


Normal?
02.05.2017

2. Mai - Remembrance & Resistance Tag -

internationaler Tag zur Erinnerung an die Verbrechen der NS-Psychiatrie und ihrer Kooperateure und Tag des Widerstandes gegen die Zwangspsychiatrie

Hunderttausende wurden während der Nazizeit in Kliniken gedemütigt, sterilisiert und getötet. Ihr Vergehen? Sie litten an einer psychischen Erkrankung. Die Täter*innen? Ärzte und Pfleger*innen. Welch ein Grauen ist die Vorstellung, Leuten ausgeliefert zu sein, deren Berufsethos es sein sollte, Menschen zu helfen. Und die dann genau das Gegenteil davon tun. Täter und Täterinnen in weißen Kitteln.

Neulich bereits erwähnte ich Dorothea Buck, die selbst sterilisiert wurde, weil sie an einer schizophrenen Psychose litt. Sie hat ihre Kraft bis heute in bewundernswerter Weise eingesetzt, um die Psychiatrie menschlicher zu machen.

Auch heute gibt es Reformbedarf. Oft ist die Kluft zwischen Patient*innen und professionellen Helfer*innen zu groß. Immer noch muss Sprachlosigkeit überwunden werden.

Aber es gibt Lichtblicke: Im Trialog finden Professionelle, Patient*innen und Angehörige eine gemeinsame Sprache. Man hört sich zu, lernt voneinander in Psychoseseminaren.

Unterdessen arbeiten in vielen Kliniken Krankheitserfahrene als Genesungsbegleiter*innen, sie werden für diese Aufgabe in einer Ausbildung geschult und haben dadurch die Möglichkeit, ihre Erfahrungen in eine (Teil)-Erwerbsarbeit einzubringen und anderen Betroffenen zur Seite zu stehen.

Außerdem bringen sich Krankheitserfahrene in die Studien und Forschungsprojekte selbst ein, forschen in selbstgewählten Projekten, fügen der Forschung eine neue Perspektive hinzu.

Ein wichtiges Feld in der Sozialpsychiatrie, das es zu bearbeiten gilt, ist der Einsatz von Zwang.

Viel zu oft, viel zu leichtfertig werden Zwangsmaßnahmen gegen Betroffene angewandt. Hier gilt es, eine andere Kommunikation zu fördern, die auch in Krisen Menschen erreicht, ihre Bedürfnisse erkennt und genug Zeit und Geld hat, um Alternativen zum Zwang zu finden.

Eine wichtige Stütze ist hierbei die adäquate ambulante Hilfe und ein neuer Typ der Akutstationen: Die Soterias. Sie sind freundlich und individuell gestaltet, haben einen zentralen Begegnungsraum, die Helfer*innen kapseln sich nicht in Dienstzimmern ab, Patient*innen und professionelle Helfer*innen kochen und essen gemeinsam, alle wichtigen Behandlungsschritte werden transparent gemeinsam besprochen, die Tagesgestaltung wird von den Patient*innen bewusst nach ihren Bedürfnissen gestaltet. In Soteria-Stationen kann der Zwang und oft auch die Medikation erheblich reduziert werden.

Ich hoffe, dass die Reform der Psychiatrie weitere Fortschritte erzielt und wir in der Gesellschaft einen neuen Begriff davon bekommen, was normal, was unnormal, was krank ist.

Psychische Störungen haben einen Sinn, sie sind der oft kreative Versuch des Menschen, sich trotz großer Schwierigkeiten selbst zu entfalten, die eigene Biografie in heilsamer Weise neu zu schreiben, zu öffnen.


Ostern. Offener Brief an die Sonntagschristen.
16.04.2017

Euer Heiland war ein Flüchtlingskind, aber ihr verachtet die Flüchtlinge.

Euer Heiland übte keinen Beruf aus, ihr aber erhebt euch über die Arbeitslosen.

Euer Heiland kümmerte sich um die Kranken und Aussätzigen, aber ihr legt so viel wert darauf, gesund und normal zu sein.

Euer Heiland predigte, dass kein Reicher ins Himmelreich käme, ihr aber dient in Freude den kapitalistischen Verhältnissen.

Euer Heiland gründete eine globale Bewegung, aber ihr frönt dem Nationalismus, der Isolation.

Euer Heiland verschonte die Ehebrecherin, ihr aber grenzt die Geschiedenen aus.

Euer Heiland saß bei den Armen und Randfiguren, aber ihr wähnt euch in der Mitte der Gesellschaft.

Euer Heiland ließ sich von der Sünderin die Füße waschen, ihr aber würdet für niemanden euch selbst erniedrigen.

Euer Heiland umgab sich mit Frauen, aber ihr bildet euch etwas drauf ein, Männer zu sein.

Euer Heiland wurde wie ein Verbrecher verfolgt, ihr aber haltet euch an jedes Komma des bürgerlichen Gesetzes.

Euer Heiland brachte Unruhe durch sein Wirken, aber ihr betet die Friedhofsruhe an.

Euer Heiland kritisierte die Arbeit, ihr aber macht die Arbeit zu eurem Götzen.

Euer Heiland wies menschliche Macht zurück, aber ihr seid die Komplizen der Mächtigen.

Euer Heiland sprach von der anderen Wange, die hinzuhalten sei, ihr aber verhetzt und verfolgt die Andersseienden.

Euer Heiland kannte keine menschlichen Familienbande, aber ihr macht die Familie zum goldenen Kalb.

Euer Heiland weinte bitterlich, ihr aber seid stolz zu jedem Spaß bereit.

Euer Heiland war ein Revolutionär, aber ihr seid die Prediger des Spießbürgertums.

Euer Heiland predigte die Feindesliebe, ihr aber ergötzt euch an Krieg und Vergeltung.


Herzlichen Glückwunsch!
05.04.2017

Heute ist der 100. Geburtstag von Dorothea Buck.

(Ihr seid vermutlich klug genug, via Internet mehr über sie zu erfahren, es würde sich zumindest lohnen, zudem werdet ihr beim aufmerksamen Dolen Verweise auf sie und ihr Werk finden können.)


Heute ist Welttag gegen Rassismus
21.03.2017 - Parenthesis

Rassismus ist nicht nur dumm und gehässig, er kann töten, nicht nur damals 1960 im Südafrika der Apartheid.

Aus abschätzigen Blicken, aus verletzenden Bemerkungen (auch Postings bei dol2day)können weitere Taten folgen.

Nicht der ist ein Rassist, der schon mal einen rassistischen Gedanken hatte. Aber der ist Rassist, der sein Denken nicht reflektierend verändert im Sinne der Gleichheit aller Menschen im Angesicht von bereichernder Vielfalt.

Eine Reihe von Veranstaltungen in den Wochen gegen Rassismus, die den Welttag umrahmen, findest du hier:

http://internationale-wochen-gegen-rassismus.de/events/


Zum Geleit:
12.03.2017

"Estragon: „Komm, wir gehen.“
Vladimir: „Wir können nicht.“
Estragon: „Warum nicht?“
Vladimir: „Wir warten auf Godot.“
Estragon: „Ach ja.“"

Samuel Beckett; Warten auf Godot